Zauberhaftes Kindermusical – Musicalchor des MGB präsentierte „Die Zauberharfe“

Der erste Eindruck der Zuschauer wird geprägt von der aufwendigen und liebevoll gestalteten Kulisse, die mit dem irischen Küstenpanorama und dem Zauberwald der Elfen bereits eine wunderbare Atmosphäre schafft. Auch Kostüme, Technik und Maske sind professionell, aber begeistert zeigt sich der Zuschauer vor allem von dem Spiel und dem Gesang auf der Bühne. Die mehr als 70 Schülerinnen und Schüler der Klassen 5-7 bringen nicht nur Spielfreude mit, sondern auch eine hervorragende stimmliche Ausbildung und Disziplin.

Die Geschichte des Musicals geht auf ein irisches Märchen zurück. 
Der kleine Fischerjunge Paddy (Clara Potel) wird als Frisör des Königs (Swaantje Schwarzien) auserwählt, was eine fragwürdige Ehre ist, denn die Auserwählten kehren nie mehr nach Hause zurück.
Paddy ist das vermeintlich schwache Opfer, aber die bekannte Story vom Underdog, der es allen zeigt, wird in der Zauberharfe durch einen interessanten Aspekt gebrochen. Denn der vermeintlich brutale Herrscher handelt aus Unsicherheit und der Angst, aufgrund seiner riesigen Ohren von seinen Untertanen verspottet zu werden. Er hütet sein Geheimnis auf Kosten anderer und verbreitet damit Schrecken in dem vordergründig idyllischen Fischerdorf.
In dieser bedrückenden Situation ergeben sich jedoch immer wieder aufhellende Momente, zeigen sich positive Charaktere. Besonders Paddy und die Prinzessin Aisling (Joelle Schreiber) sind äußerst erfrischend in ihrem Auftreten und ihren Aussagen. Der König wird von seiner rebellierenden Tochter mutig zur Rede gestellt. Sie hasst Unterdrückung, die königliche Etikette und lange Haare sowieso. 
Das Musical von Wolfgang König (Musik) und Veronika te Reh (Text) hat mehr zu bieten als nette volkstümliche Melodien, die man noch am nächsten Tag vor sich hin pfeift. Angesichts von Parolen wie: „Die großen Fische fressen die kleinen“ kommt man als Zuschauer ins Grübeln und freut sich, wenn auf der Bühne gezeigt wird, dass es auch anders geht. Auch wenn es dazu eines Zaubers bedarf. 
Die köstlich herzerfrischend kichernden Elfen zeigen, wie lächerlich das menschliche Verhalten manchmal ist. In ihrem Wald gibt es keine Geheimnisse und die aus dem Holz des Elfenwaldes entstehende Harfe wird das Geheimnis um den König und seine Ohren am Schluss lüften. 
Manchmal kommt die Wahrheit auch über Umwege und es sind genau diese Stellen, an denen man die Inszenierung besonders genießen kann. Da singen die königlichen Soldaten, die nur Stroh im Kopf haben und allen Anweisungen gehorchen, egal wer sie gibt, eben nicht, sondern sie dürfen lauthals grölen und geben dem Ganzen dadurch eine wunderbar komische Note. 
Die schwungvollen Melodien, die an den Irish Folk angelehnt sind, animieren zum Mitklatschen und mitunter auch zum Mitsingen. Am liebsten hätte man auch noch mitgetanzt beim Freudentanz des Ensembles, als der König zu seinen großen Ohren steht und kurze Haare en vogue sind, auf wenn Löffelohren zu sehen sind. Und so kann man Marianne Abele und ihrem Ensemble zu diesen mitreißenden Aufführungen nur gratulieren. 
Marc Soedradjat