Musical-Kids präsentierten "Prinz Owi lernt König"

Am Wochenende begeisterten die Musical-Kids am MGB unter der Leitung von Marianne Abele mit „Prinz Owi lernt König“ in der Aula des Melanchthon-Gymnasiums. Die Geschichte dieses Musicals ist schnell erzählt und spielt eigentlich auch keine entscheidende Rolle. Es sind die interessanten Figuren und die vielfältige Stimmungen transportierenden Lieder, die noch lange im Gedächtnis bleiben werden. Marianne Abele hat ein untrügliches Gefühl für Rollen und die Kinder, die diese ausfüllen. Die treffsichere Besetzung berücksichtigt den Charakter der Kinder und lässt dadurch die Figuren erst richtig lebendig werden. Es ist eine große Freude zu sehen, wie lebendig auch die Kinder im Chor ihre Rolle ausfüllen. Und am Schluss strahlen alle so entwaffnend, dass die Erleichterung über das gute Ende und die Einsicht Owis im Raum spürbar ist. Fast 70 Schülerinnen und Schüler sind mit Herzblut dabei. Hier wirkt das Vorbild Marianne Abeles. Mit welcher Energie, Sachverstand und pädagogischem Geschick sie es immer wieder schafft, eine so große Gruppe für ein Ziel zu motivieren und Spaß am Singen zu vermitteln, ist einfach bewundernswert.

Kristina Beck legt als Königin ihre Sorge um die Zukunft ihres Sohnes, Prinz Owi, in ihr gefühlvolles Solo und erzeugt dadurch beim Publikum durchaus Mitleid für die Herrscherin, der die Zukunft des Reiches und auch des zukünftigen Königs am Herzen liegt. Dass ein Tanne soviel Begeisterung auslösen könnte, hätte man wohl nicht gedacht. Aber Cathrin Hofmeister als Sir Douglas ist schon mit ihrem authentischen britischen Akzent ein Genuss. Dazu zeigt sie auch emotional eine große Bandbreite, bis hin zum „Burnout“, eine überaus witzige Idee für das Lied einer Tanne. Lea Hoek erinnert mit ihrer Figur, dem Hofschreiber Borkowski, ein wenig an den Namensgeber der Schule. Gebildet und immer aufmerksam macht sie die Freude über das Protokoll dieser gelungenen Geschichte spürbar. Auch die Mägde in ihren mittelalterlichen Gewändern tragen zum historischen Kolorit bei. Ihr komödiantisches Talent beweist Zoe Nehring als Don Antello. Gekonnte Anleihen an die commedia dell’arte sind nicht zu übersehen und so wird der blasierte Möchtegern-Italiener trotz allem zu einer liebenswerten Figur. Überhaupt zeigt die Aufführung, dass Marianne Abele eben nicht „nur“ Musiklehrerin ist, sondern ihre Schützlinge immer wieder auch zu schauspielerischer Leistung anspornt. Hannah Heiler als Owi steht mit dem Chor in einem Gesangsdialog und beweist stimmliche Mächtigkeit, ohne dabei die Haltung des Prinzen zu vernachlässigen, der die Lässigkeit als Lebensmotto für sich entdeckt hat. Ein schauspielerisches Highlight setzt Vanessa Mössner als Reiseunternehmer Dr. Meyer. Sie ist derart witzig und präsent, dass man dem Angebot zu einer Bildungsreise einfach nicht widerstehen kann und sich auf den Weg in die Wüste macht. Optische Glanzlichter im wahrsten Sinne des Wortes bieten auf diesem Weg nicht nur die Irrlichter. Immer wieder zeigt sich das Publikum durch Szenenapplaus begeistert von den Kostümen und den Choreografien der Tanzgruppen. Da fauchen und drohen Drachen gefährlich. Wenn die Statuen im Park ihren Rap starten, gibt es kein Halten mehr. Da wird es so dynamisch, dass der Putz förmlich vom Gesicht bröckelt. Scheich Hadschi präsentiert nicht ohne berechtigten Stolz seine Bauchtänzerinnen und auch die Lotusblumen sind betörend, nicht nur durch ihren Duft. Und über das mit dem Hintern wackelnde Kamel wird herzhaft gelacht. Nadja Schweinberger ist als Paradiesvogel zwar gezwungen, ihr Gesicht hinter einer Maske zu verbergen. Das hindert sie aber nicht im Geringsten daran, diesem Paradiesvogels so viel Körpersprache zu verleihen, dass die Anziehung zwischen ihr und Don Antello sehr deutlich wird. Scheich Hadschi ist eine Art Komplementärfigur zur Königin, denn er hat ähnliche Probleme, nur eben mit seiner Tochter Leila, die des Öfteren entfleucht. Er selbst wird äußerst charmant durch Batuhan Aktas verkörpert und so kann der Zuschauer ihm sein etwas flatterhaftes Wesen kaum übelnehmen. Emiliy Krauss zeigt als Leila deren große Sehnsucht nach der Ferne sehr eindrücklich und wird dabei unterstützt von Sebastian Gaspar, der am Licht eine wunderbare Atmosphäre erzeugt. So bedarf es nur noch der Hilfe der Sternschnuppe (Emilia Banghardt) um gemeinsam mit Owi in den schönen Kraichgau zu gelangen.
Marc Soedradjat