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Loeffelstielzchen feiern Philipp Melanchthons Geburtstag

Die Loeffelstielzchen, also die AG für Alte Musik und Kultur am Melanchthon-Gymnasium Bretten, gaben am Wochenende ein denkwürdiges Konzert zu Ehren ihres Schulpatrons. Die Musik des 16. Jahrhunderts, gespielt auf originalgetreuen Instrumenten und die Gaukler ließen eine einzigartige Epoche lebendig werden. 

Ausgestattet mit beeindruckender Allgemeinbildung und Charisma geleitete Spielgraf Bernardo von der Notenweyde (StD Bernhard Wendel) das Publikum durch die Geschichte Europas und machte gar einen Abstecher ins ferne China. Unterstützt von einer Gefolgschaft aus hochkarätigen Gauklern und Musikanten nahm er das Publikum mit auf eine Reise in die Zeit Melanchthons, dessen Geburtstag durch diese anregende und lebendige Performance mit einem rauschenden Fest gebührend gefeiert wurde. Besonders eindrucksvoll wirkten die Gesangsstücke in deutscher, französischer, spanischer oder türkischer Sprache. Sie wurden mit großer Einfühlung präsentiert und lösten gar Heimweh unter dem ein oder anderen aus. Das Leid der Zivilbevölkerung während der unzähligen Italien- und Türkenkriege kam ebenso zum Ausdruck wie die überschäumende Lebensfreude, die diesem Leid entgegengesetzt wurde. Denn die Musik war, wie der Spielgraf so schön sagte, zu dieser Zeit Ausdruck des Lebens. Das Ensemble bot im wahrsten Sinne des Wortes „Musik, die zum  Verweilen einlädt“.

Witz, feiner Humor und gar leise Selbstironie zeichneten die szenischen Passagen, in denen erzählt und geschauspielert wurde, aus. Besonders gefiel die Aktivierung des Publikums, das sich in der Rolle der jungen Spanierin Johanna wiederfand, die Philipp den Schönen von Österreich heiraten musste und in ihm unverhofft die Liebe ihres Lebens fand. Oder in der Rolle des Jakob Fugger, der während des Liedes „Tausend Dukaten“ eben jene in die Truhe klimpern ließ, während alle anderen Zuhörer mit den Geldscheinen knisterten. 

Interessant waren auch die eingestreuten Zitate von Zeitzeugen und die immer wieder sehr überzeugend vorgebrachten Bezüge zu aktuellen Entwicklungen. Wendel zeigte, dass die Menschen sich wohl wenig verändert haben in ihrem oft zerstörerischen Tun. Tröstend ist angesichts dieser Erkenntnis jedoch, dass man sich in Bretten und im Kraichgau im sagenumwobenen Arkadien weiß, wo die Menschen Glückseligkeit finden. Diese war immer wieder nicht nur den Akteurinnen und Akteuren der Loeffelstielzchen anzusehen, sondern auch dem Publikum.

Ein Spektakel sondergleichen boten die Jongleure mit ihren Keulen, Messern und Hühnern(!) und lösten durch ihre Späße und akrobatischen Darbietungen Staunen und Begeisterung aus. Auch christliches Liedgut stand natürlich auf dem Programm, das mit den aus Sicht des Publikums äußerst passenden Liedern „Nun freut euch“ und „Lobet den Herren“ beschlossen wurde. Es war wirklich eine große Freude, den Loeffelstielzchen zuzuhören und zuzuschauen. Man mag den Herren loben, dass eine solche Arbeitsgemeinschaft an einem Gymnasium wertgeschätzt wird. Die Truppe kann auf eine Tradition von über dreißig Jahren zurückblicken und so hofft man auf weitere Jahre, in denen Bernhard Wendel nicht von seinem segensreichen Tun ablässt. 
Marc Soedradjat